Montag, 6. März 2017

Über Linkwater in die Welt der Marlborough Sounds

5.03.2017

Heute morgen ging es früh mal wieder weiter von Nelson. Eigentlich hatte ich gedacht, noch den ersten Teil des Queenn Charlotte Tracks zu laufen. Aber dagegen hatte ich mich entschieden, als ich mehr als doppelt so lange bis zum Ausgangspunkt benötigt hatte, als gedacht.

Queen Charlotte hat hier ihren Namen für viel hergegeben. Der große Hauptsound heißt, Queen Charlotte Sound, die Straße von Picton nach Havelock heißt Queen Charlotte Drive, und der über 70 Kilometer lange Track entlang des Sounds heißt Queen Charlotte Track.

Als ich an diesem Tag am frühen Mittag in Kanepuru Head ankomme, hier beginnt die Schotterpiste, habe ich allein vom Abzweig in Linkwater bis hierher, was 34 Kilometer sind, über eine Stunde benötigt. Motorradherz was willst DU mehr ? (Kurven ohne Ende!!!) Aber für meine Zeitplanung des heutigen Tages, war die Strecke von Nelson hierher, der Genickbruch. So lege ich einen wirklichen Lesetag ein.

Dazu komme ich einfach zu wenig auf dieser Reise, weil es mich dazu drängt, so viel wie möglich zu erwandern und zu sehen. Und das Wandern, frißt selbstverständlich die Zeit und die Energie. Denn wenn man abends dann bereit wäre Seiten zu lesen, fallen einem, auch wenn es noch früh ist, die Augen nach ein paar Seiten zu.

So stehe ich an einer wunderbaren Stelle und lasse es mir in jeglicher Hinsicht gut gehen. Als die Sonne einen immer niedrigeren Stand einnimmt und die Ebbe einsetzt, zieht es mich noch ins Watt, das hier sehr schlickig ist. Durch die Zehen drückt sich das Watt und läßt einen Gefühlswelten an den Füßen spüren, die es nur an solch einer Stelle gibt. Ich liebe das und genieße es in vollen Zügen. Und so geht ein weiterer wunderschöner Tag zu ende. So viele Tage liegen nun nicht mehr vor mir. So muss ich jeden um so mehr nutzen und in mich aufsaugen.

Sonntag, 5. März 2017

Der zweite Tag auf dem Abel Tasman Coastal Track

4.03.2017

Zum Glück wache ich heute morgen früh auf. Bei der Ruhe und in dieser Abgeschiedenheit des Startpunktes, Awaroa Carpark, ist das nicht selbstverständlich. Aber heute benötige ich einen frühen Start, da ich auf die Low Tide angewiesen bin, und die ist um 7.00 Uhr. Es geht erst einmal ca. 2 Kilometer durch das Watt. Und bei dem nächsten Niedrigwasser am Abend, soll es genau so wieder passen.

Das ist der Grund unter anderem gewesen, warum ich gestern so viele Kilometer gemacht habe. Heute gibt es keinen High Tide Weg als Alternative, falls das Wasser nicht passt. So muß ich unbedingt auch zum entsprechendem Zeitpunkt wieder da sein. Insgesamt werden das knappe 30 Kilometer mit dem Rückweg von der Bark Bay sein. Das sollte ich in 12 Stunden lässig schaffen.

Der Weg fängt also 2 Kilometer durch das Watt an. Schuhe und Strümpfe aus, und ab durch dieses Erlebnis für die Füße. Ich werde sofort an meine Kindheit auf der Insel Föhr erinnert. Dort haben meine Eltern uns Kindern das Watt so zu lieben gezeigt, dass wir heute noch sehr gerne dort Zeit verbringen.

Als die zwei Kilometer hinter mir liegen, geht es gleich richtig bergan. Aber zuerst einmal Füße säubern und trocknen und die Schuhe wieder anziehen. Aha, das ist also schon mal leicht anders als gestern. Der Weg führt die ersten 1,5 Stunden immer hoch und runter, und läßt einen schon anfangen zu schwitzen. Gut! Mich auf jeden Fall!! Denn es kommen mir, vor allem am Anfang, auch wieder Leute entgegen, die ganz sicher ihre wärmsten Sachen anhaben.

Aber alle die mir am Anfang entgegen kommen, sind flotten Schrittes unterwegs, denn sie benötigen das Niedrigwasser in der entgegen gesetzten Richtung. Mir öffnen sich derweil wieder wunderbare Ausblicke. Die Wegführung ist klasse, die Beschilderung mehr als perfekt und so kann man sich komplett auf das konzentrieren, was einem hier geboten wird. Und das ist einfach großartig.

Als ich einen langen Abschnitt über einen wunderbaren Strand gegangen bin und wieder auf den befestigten Weg muß, kommt das gleiche Prozedere wieder. Füße entsanden und trocknen und die Schuhe an, die vorher natürlich sofort runtergeflogen sind. Barfuß ist genial.

Als ich ca. eine viertel Stunde später, wieder eine begnadete Aussicht fotografieren möchte, nehme ich die Kamera und drücke ab. Dann kommt das Handy aus der Tasche und das Bild ist ein weiteres Mal im Kasten. Und nun das Tablet, ... ... ...

OOOOOOOOHHHHHHHH meinGott !!! Das muss ich beim Schuhe Anziehen liegen lassen haben. Mein Puls schlägt wie verückt im Hals und Kopf. Im gestreckten Schweinegalopp geht es retour. Oh, wie weit bin ich denn bloß schon wieder gegangen? Der Strand will einfach nicht kommen. Dann biege ich um die Ecke und sehe sofort, dass das Tablett nicht mehr da liegt, wo ich es abgelegt hatte.

"MEIN TABLET!!!!!" Schreie ich verzweifelt.

Ein junges Paar sieht mich mit großen Augen an. Ob ich was vermisse, fragen sie. Und wie mein Name ist. Völlig außer Atem, sage ich meinen Namen, und sehe dann erst, dass die nette Holländerin mein Tablet in der Hand hält. Sie hat schon auf Facebook nach meinem Namen geschaut und drückt es mir nun mit einem Lächeln in die Hand.

OOOOOHHHHHH, DANKE !!!

Die beiden machen sich auf den Weg in die Richtung, aus der ich gerade angesaust gekommen bin. Ich muß mich nun erst einmal hinsetzen und durchatmen. Transpirieren kann man das nun nicht mehr nennen. Dann geht es auch für mich weiter. An der Bark Bay treffen wir uns wieder. Dort genießt jeder dieses einmalige Wasser. Heute benötige ich die Abkühlung und Erfrischung dringender als an jedem anderen Tag zuvor.

Da ich klasse in der Zeit liege, trotz des kurzen doppelten Weges, wird die Pause etwas ausgedehnter. Baden, essen, lesen und relaxen. Tut das gut. Paradiesische Verhältnisse! Alle haben es sich an dem hellen Strand und im glasklaren, aber kaltem Wasser, gemütlich gemacht.

Danach geht es dann zurück. Und auch dieser Weg geht viel zu schnell vorbei. Auf das richtige Niedrigwasser muß ich noch etwas warten, aber dann ist der Weg frei und ruckzuck bin ich am Auto. Für mich geht es noch nach Nelson zurück, wo ich kurz nach Mitternacht eintreffe. Der aktuelle Kilometerstand zeigt an meiner Schlafstelle, 8105 Kilometer an. Gute Nacht, Hermann.

Samstag, 4. März 2017

Der erste Tag auf dem Abel Tasman Coastal Track

3.03.2017

Früh morgens geht es wieder los. Auf dem Wanderparkplatz bin ich nicht alleine. Hier gibt es eine Menge Frühaufsteher. Das ist bei diesem Track häufig nötig. Denn es gibt die Low Tide Tracks und die High Tide Tracks. Hat man an bestimmten Punkten Niedrigwasser, so führt der Low Tide Track über die Strände, was immer kürzer ist. Und natürlich auch schöner.


Ich habe mir heute vorgenommen von Marahau bis zur Bark Bay zu laufen. Das sind über 23 Kilometer, eine Strecke. Da wir hier aber kaum Höhenmeter haben, und ich den gleichen Weg wieder zurück muss, habe ich heute das absolute Kontrastprogramm zu den letzten beiden Tagen.

Der Track ist der Kracher, der einen an jeder dritten Kurve anhalten läßt, um das Panorama zu genießen. Da der Weg so berühmt ist und eine Menge Leute auf ihm wandern, ist er perfekt ausgeschildert. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr das Laufen Spaß macht!

Nach 6 Stunden bin ich, voll mit Eindrücken, an der Bark Bay angekommen. Hier könnte man denken, es hätte einen in die Karibik verschlagen. Eine ausgiebige Pause mit Bad wird eingeschoben. Danach geht es wieder zurück. Der Coastal Track ist insgesamt 53 Kilometer lang. Das wird mit 3 bis 5 Tagen, also mit 2 bis 4 Übernachtungen, veranschlagt.

Da mein Rücken gegen zu viele Kilos protestiert, ist es für mich leider nicht möglich, den "normalen" Weg zu gehen. Ich habe mir aus dem Wanderführer alternativ den schönsten Teil herausgpickt und habe von diesem, nach dem ersten Tag, schon über die Hälfte zurückgelegt.

Der Rückweg beschert mir weitere geniale Ausblicke, und kurz vor dem Wanderparkplatz ein erfrischendes Bad, in dem doch etwas kalten Ozean. Aber zum Glück bin ich diese Temperaturen schon gewöhnt und genieße nach diesem lange, an Strecke und Zeit, dauerndem Wandertag das nasse und kühle Element sehr.

Danach geht es mit dem Auto noch zum Awaroa Carpark, meinem Startpunkt für den nächsten Abschnitt. Die Strecke von Marahau bis Takapou, ca. 60 Kilometer, sind der absolute Mopedwahnsinn an Kurven. Manches Mal wäre es eben schon schön! Danach folgen 15 Kilometer Schotter, die einfach nicht enden wollen. Die Strecke ist noch kurvenreicher und hat Radien, die mich die Geschwindigkeit in den Kurven auf 20 drosseln lässt. Zudem wird es langsam dunkel und ich bin heilfroh, um 21.00 Uhr endlich am Parkplatz angekommen zu sein.

Nach diesem Tag wird es nicht verwundern, dass ich ruckzuck eingeschlafen bin und keine Probleme habe, die Nacht durchzuschlafen. Ich träume von einem zweiten begnadeten Tag auf diesem wunderschönen Track.

Küstenwechsel! Von der Pegasus Bay zur Tasman Bay

2.03.2017

Früh aufgewacht und gleich auf den Weg gemacht. Gestern hatte ich ja noch gedacht, so schlimm wird es schon nicht werden. Und außerdem bin ich ja auch da, um das Land kennen zu lernen. Doch heute werde ich die Strecke verfluchen.

Ich würde morgen gerne im Abel Tasman NP wandern gehen, und muss dafür etliche Kilometer machen. Was ich gestern noch so banal zur Seite geschoben habe, entwickelt sich heute zum absoluten Kollaps. Wenn der Highway 1 gesperrt ist, und dort die Aufräum- und Reparaturarbeiten, ein Jahr benötigen, warum sollten die Nebenstrecken denn nicht auch etwas abbekommen haben? Krumme Brücken, abgegangene Hänge, Versatz in der Fahrbahn, eingebrochene Fahrbahnen, usw. usw. usw.

Und genau so ist es. Heute werde ich bestimmt an 100 Baustellen angehalten. Was toll ist, Baustellenampeln gibt es hier nicht. Ganz flexibel per Hand und Funkgerät wird der Verkehr im Fluss gehalten. Doch trotzdem geht das auf die Zeit und letztendlich auch auf die Nerven.

So schafft man keine Kilometer. Und wenn dann die, durch eigenes Verschulden zusätzlichen 100 dazukommen, dauert es mal gleich 2 weitere Stunden länger. Das nervt mich total und ich ärgere mich über den Missel.

In Kaikoura geht es vom Highway 1 auf den 70. Den fährt im Normalfall kein Tourist. Jetzt ist hier aber die Hölle los, weil alle diese Querspange fahren müssen. An Hanmer Springs vorbei, dann schon auf der 7, geht es über den Lewis Pass nach Spring Junction. Dort auf die 65 nach Murchison. Dann bin ich auf der 6 Richtung Kawatiri. In Kohatu biege ich auf den Motueka Valley Highway ab.

Mit Motueka habe ich es geschafft. Das ist das Eingangstor zum Abel Tasman NP. Von dort geht es noch über eine wunderschöne kurvige Strecke, die letzten 20 Kilometer nach Marahau, meinem morgigen Startpunkt, um den ersten Tag auf dem Abel Tasman Coastal Track zu laufen. Von morgens 6.30 Uhr, bis abends 19.00 Uhr hat es gedauert, diese Strecke zurück zu legen. Gut 450 Kilometer waren das.

Ich habe einmal mehr einen wunderbaren Schlafplatz gefunden. Nach den vielen Stunden und gefahrenen Kilometern der letzten beiden Tage, ist morgen ein langer Wandertag angesagt. So kann das ja nicht weitergehen. Mein Rücken lechzt regelrecht nach Bewegung. Der Abel Tasman Coastal Track ist wieder einmal weltberühmt. Neuseeland wartet mit vielen Superlativen auf. Ich bin gespannt und freue mich darauf.

Mittwoch, 1. März 2017

Christchurch ist eine einzige Baustelle

1.03.2017

Heute morgen habe ich bei dieser unübertroffenen Ruhe tatsächlich länger geschlafen. Ja, ich bin auf diesem einzigartigen Campground der Einzige geblieben! Das wird die meisten nicht verwundern. So habe ich das große Glück, das "Designbad" mit keinem teilen zu müssen. Hermann, dann nimmst Du die Gelegenheit wahr und rasierst Dich endlich mal wieder, sage ich mir. Das dauert nach 2 Wochen ohne Rasur immer seine Zeit!

Als ich mit allem fertig bin, sage ich noch kurz tschüss zu Gary, nicht ohne von ihm noch einen Insider-Tipp zu erfragen. Wie er denn am schönsten und spektakulärsten nach Christchurch fahren würde? Ganz klar, über die Pigeon Bay nach Port Levi, von dort nach Diamond Harbour, dann nach Lyttelton und durch den Tunnel ist man schon in Christchurch.

Genauso werde ich es machen. Schließlich hat der Mann Geschmack für das Besondere. Er wünscht gute Fahrt und würde sich auf über ein Wiedersehen freuen. Dem kann ich nur zustimmen. Keine 5 Kilometer hinter seiner Grundstücksausfahrt mache ich die 7000 Kilometer voll.

Schnell bin ich an der Pigeon Bay. Über eine kleine schmale Schotterpiste geht es jetzt erst wunderbar nach Port Levi und dann nach Diamond Harbour. Gary hat nicht zu viel versprochen. Schon das allein war den Besuch auf der Banks Peninsula wert! Über Lyttleton, eine kleine Stadt mit Containerhafen, komme ich nach Christchurch.

In der Nähe vom Town Center nehmen die Komplikationen betreffend Wegführung und Straßenbaustellen zu. Ich parke sehr zentral und sehe ein Arsenal an allen Baugeräten und Utensilien, die man sich vorstellen kann. Als ob man sich auf einer riesigen Messe für Baumaschinen befände. Das sind alles noch die Auswirkungen von dem verheerenden Erdbeben.

Ich mache mich auf, die Stadt zu erkunden. An jeder Ecke blutet mir das Herz mehr. Es ist erschreckend, was hier abgegangen sein muss. Überall sind Bauzäune und Umleitungen für Fußgänger wegen der Gefahr durch Gebäudebruch und Baustellen, und ehrlich, so richtig will dabei kein Wohlgefühl aufkommen. Das tut mir so leid, denn die Stadt ist vor dem Beben ganz sicher wunderschön gewesen, nun besteht sie zum größten Teil aus Bauruinen. Die armen Leute! Nur die Konjunktur der Baubranche dürfte durch die Naturkatastrophe für die nächste Zeit gesichert sein.
Ich mache mich auf den Weg, Richtung Norden, würde gerne noch bis Kaikoura kommen. Der Highway 1 hat mich wieder. Doch schon bei der Anfahrt zum Highway sieht man, dass auch die Straßen an vielen Stellen gerichtet werden müssen. Schnell ist es dunkel. Und in der Dunkelheit muss ich wohl ein großes Hinweisschild übersehen haben.

Für mich war auch klar, immer dem Highway 1 nach. Kurz vor Kaikoura wird man vom Highway weggeleitet. Der Highway 1 ist hinter Kaikoura seit dem Erdbeben gesperrt. Bauzeit ca. 1 Jahr! Weil ich nicht auf das Riesenschild geachtet habe, werden das morgen dann ca. 100 Kilometer Umweg sein. Dafür habe ich aber noch einen schönen Schlafplatz direkt am Meer gefunden. Gute Nacht, Hermann.