Donnerstag, 9. März 2017

Mein Glück! Der Skyline Track von Atene

8.03.2017

Am Morgen hat es dann tatsächlich aufgehört mit dem Regen. Ich bin jedoch vor meinen zwei einzigen Mitstreitern auf dem Campground wach. Doch schon während meiner Morgentoilette regt sich Leben im Nachbarszelt. Die Zähne sind noch nicht geputzt, da wird der Reißverschluss geöffnet und kurz zur Begrüßung gewunken. Sofort wird damit begonnen, das Zelt mit einem Lappen von den letzten Tropfen und Feuchtigkeit zu befreien, damit es in dem zwischenzeitlich aufgekommenen Wind noch schneller abtrocknen kann.

Ich ziehe mir meine Wandersachen an, schnüre mir die Schuhe und fahre die letzten 2 Kilometer zum Ausgangspunkt der Wanderung. Der Skyline Track von Atene steht heute auf dem Programm. Das ist eine ca. 23 Kilometer lange Runde, die auf dem Kamm des alten Flußbettes des Wanganui Rivers, rund um Atene führt. Ich bin der erste an diesem Morgen, der den Wagen dort abstellt und schon sehr neugierig, welche Verhältnisse mich auf dem Weg empfangen. Nach den gestrigen Niederschlägen rechne ich mit allem.

Doch es verwundert mich total, wie trocken die Seite schon ist, auf der die Wanderung startet. Der Wind, der nun schon den ganzen Morgen weht, war schon recht fleißig. Ich war so gespannt, was dieser Track bereit hält. Denn was hat ein Inlandstrack für Höhepunkte? Das sind im Normalfall die Aussichten, die man genießen darf. Oder es ist ein Gipfel, den man bezwingen kann. Oder es gibt etwas ganz besonderes, was man nicht gleich wiederfindet. Doch dieser Weg hat etwas ganz anderes zu bieten. Es ist der Weg selber! Ja, genau, der Weg ist das Ziel! Dieser Weg ist ein absoluter Naturweg. Hier läuft man über die gewachsene Grasnabe, über den puren Waldboden, über Blätter und auch über Gestrüpp, über Wurzeln und Farne.

Man merkt sofort, dass der Track nicht häufig begangen wird. Hier muß man wieder an bestimmten Stellen kurz stehen bleiben, und Ausschau halten nach den orangen Dreiecken, die den Track, kennzeichnen. Diese sind aber nicht im Überfluss angebracht. Ja, nach den vielen "professionellen" Tracks, die wie z.B.  der Abel Tasman und der Queen Charlotte, schon eher an kleine angelegte Straßen erinnern, ist dieser Track eine Wohltat, die zur Natur zurückführt.

Genau das macht mir so viel Spaß an dieser Wanderung. Ich genieße es so richtig! Aber da sind zwei weitere, die das noch viel mehr genießen. Für sie gibt es noch eine Steigerung zur heutigen Führung, und das ist die Möglichkeit, ohne Schuhe zu gehen. Meine Füße jubilieren. Ich verstehe sie so gut.

So ist die Wanderung dann auch sehr kurzweilig. Hätte ich vor dem Start nicht auf die Uhr geschaut, so wäre ich niemals gedacht, dass schon über 6 Stunden vergangen sind. Dieses leichte und stetige Auf und Ab, die vielen Pflanzen, die ganzen Fotos, all das hat meine Aufmerksamkeit benötigt, und das ist gleich zu setzen mit Zeit.

Am Auto wieder angekommen, bin ich freudig überrascht, dass außer meinem noch 4 andere Fahrzeuge dort abgestellt wurden. Für mich geht es zurück nach Wanganui, ca. 20 Kilometer, um dort den nächsten Post zu schreiben, einzukaufen und zu tanken. Denn ich würde noch gerne einige Kilometer machen. In der Zwischenzeit habe ich festgestellt, dass es ein mächtiger Unterschied ist, am Abend und in der Nacht zu fahren oder am Tage. Allein die vielen Baustellen, die am Abend nicht mehr besetzt sind, machen schon einen wesentlichen Unterschied. Aber selbstverständlich auch die erheblich reduzierte Anzahl an Fahrzeugen.

Dann habe ich alles erledigt und bin wieder auf dem Weg in den Norden. Meine Strecke soll mich möglichst nahe an Kawhia, direkt an der Tasman Sea, bringen. Das wären gute 300 Kilometer. Es geht den Highway 4 hoch, wo ich noch das Tongariro Massiv aus der Ferne im Sonnenuntergang sehen darf.

Dann komme ich nach Taumarunui und halte mich weiter die 4, Richtung Te Kuiti, wo ich vorher auf die 3 wechseln muß. 20 Kilometer hinter Te Kuiti biege ich dann auf die 37 ab, die zuerst nur mit den Waitomo Caves ausgezeichnet ist. Inzwischen ist es 1.00 Uhr geworden. Nahe Te Waitere, weitere 40 Kilometer weiter, finde ich einen Platz für die Nacht. Ich spüre die salzige Luft, habe alle vier Fenster einen Spalt geöffnet und verabschiede mich so in die Welt der Träume.

Dienstag, 7. März 2017

Wanganui und die Wanganui River Road

7.03.2017

Heute morgen heißt es erst einmal meine ganzen Sachen im Internet erledigen. Zu lange war ich jetzt ohne, das benötigt immer Zeit, dass man es kaum glauben mag. Und dann möchte ich auch zu gerne wieder die liebe Stimme meiner Ehefrau hören.
Wanganui ist wieder einmal eine tolle Stadt mit über 40000 Einwohner. Der Besuch des I Site, für mich bisher eines der besten, beflügelt mich, mindestens noch eine Nacht hier zu verbringen. Dann schaue ich mir die Stadt an und genieße dabei zwei Portionen Fish and Chip. Es gibt vermutlich ein lustiges Bild ab, wie ich mit dem ganzen Papier und meiner Kamera gleichzeitig versuche fertig zu werden, wenn beim Schlendern noch ein gutes Fotomotiv auftaucht.

Die Fish and Chip werden auf ein oder zwei Bögen Papier gelegt und dann eingeschlagen. Darum kommen weitere Schichten Papier, die sehr häufig aus alten Zeitungen bestehen. Dann wird in das Ganze mit einer Gabel gestochen, damit die Hitze etwas entweichen kann. Das Paket bekommst DU in die Hand gedrückt und mußt dann im Normalfall die Gastronomie verlassen, da es dort meistens keine Möglichkeit gibt, sich zu setzen und es sich schmecken zu lassen. Aus diesem Grunde ist vermutlich auch der Preis häufig so unschlagbar günstig. Von 4,50 - 8,50 Dollar war bisher die Spanne. Der Preis hat nichts mit der Größe der Portion zu tun, sondern mit der jeweiligen Stadt oder der Lage.

Ich schlendere also durch die Stadt und lasse es mir so richtig gut gehen. Da mir nicht nur die Stadt, sondern auch die Portion besonders gut gefallen hat, stehe ich auf dem Weg zurück zum Auto wieder vor dem Fischladen (hier ist es wirklich einer!), und biege doch glatt ein zweites Mal Richtung Eingangstür ab. Da ich das Papier immer noch unter einem Arm eingeklemmt halte, schauen mich die drei hinter der Theke groß an und denken, was DER wohl am Essen auszusetzen hat?

Als ich die zweite Portion bestelle, erhellen sich die Gesichter schlagartig. Komisch, denke ich nachher. Die zweite Portion ist erheblich größer ausgefallen, obwohl schon an der ersten, an Größe und Qualität absolut nichts zu beanstanden war.

Die Stadt gefällt mir immer besser. So dauert es noch etwas, bis ich am Wagen wieder angekommen bin. Jetzt zieht es mich zur Wanganui River Road. Eine Straße, die häufig links liegen gelassen wird, da die schnelleren Wege über die neueren und besser ausgebauten Straßen führen.

Der Wanganui River ist der längste beschiffbare Fluß Neuseelands und hat für die Schifffahrt früher eine wichtige Rolle gespielt. Heute ist das Nebensache, da auch hier die LKW s längst Alles übernommen haben. Da ich mich hier im Maori Gebiet befinde, will ich euch die Sage über die Entstehung des Flusses nicht unterschlagen.

Nach der Legende der Maori entstand der Fluß dadurch, dass der Mount Taranaki, den ich ja leider nicht zu Gesicht bekam, weil das Wetter nicht mitspielte, und der Mount Tongariro, wo die Reise für mich richtig begonnen hat, um den schönen Mount Pihanga kämpften. Der Mount Taranaki flüchtete aus dem Zentrum der Insel zu seinem jetzigen Standort und hinterließ dabei eine tiefe Furche. Der Mount Tongariro schickte kühles Wasser, um die entstandene Verwundung der Erde zu heilen. Somit war der Wanganui River geboren und wird noch heute, gnädiger Weise, vom Mount Tongariro, gespeist.

Besuch einer Marae in Koriniti

Ich nehme mir Zeit und schaue mir das eine oder andere an. In Koriniti, wo man ein wunderbares Beispiel für eine traditionelle Marae besichtigen kann, dauert es dann länger. Das ist gar nicht so selbstverständlich. Sollte man das tun wollen, so fragt man bitte immer zuerst. Denn es gibt auch Zeiten und Augenblicke, in denen FREMDE nicht erwünscht sind. Und schon gar keine, die im Hauruck-Verfahren,dieses bewerkstelligen wollen. Da der Tag etwas zugezogen hat und ich alleine auf dem kleinen Parkplatz vor der Kirche eingetroffen bin, kann ich nicht sofort sehen, ob es heute passend ist. So laufe ich erst einmal die Straße entlang, in deren Richtung ich jemanden im Garten gesehen habe.

Wie mein Tag wäre, und schön, dass ich mich für die Maori Traditionen interessiere! Selbstverständlich dürfte ich alles ansehen. Und ich solle mir dabei so viel Zeit lassen, wie ich wolle. Zu einer Marae Anlage gehört ein Versammlungshaus (wharenui), ein frei Platz draußen für viele Leute (marae atea), ein Speisesaal (wharekai), der mit Toiletten, Duschen und Unterrichtsräumen ausgestattet ist. In solch einer marae, wird alles abgehalten. Egal, ob es ein Jubiläum gibt, ob Unterricht oder Kurse abgehalten werden, ob jemand verabschiedet wird, ob Veranstaltungen abgehalten werden, oder aber Diskusionen statt finden, welche über Tage dauern können. Dieses wurde genau so schon früher immer getan und bis heute beibehalten.

Sollte man zu solch einem Augenblick hier aufschlagen, ist es verständlich, dass das kein passender Moment für eine Besichtigung ist. Als ich wieder zum Auto komme, macht sich die Frau aus dem Garten mit einem lauten HELLO auf den Weg zu mir. Sie will wissen, aus welchem Land ich komme, wie lange ich schon unterwegs bin, was ich mir schon alles angesehen habe und was noch folgt. Einfach so viel wie möglich. Sie hätte mich die ganze Zeit beobachtet, was ich selbstverständlich bemerkt hatte (meinem Vater sei dank!), und müsse mir sagen, dass kaum einer so andächtig und ruhig und stressfrei, sich das jemals angesehen und auf sich wirken lassen habe.

Als ich ihr Fotos vom Mount Hikurangi und dem Sonnentor bei Sonnenaufgang zeige, kann sie ihre Begeisterung gar nicht mehr zurück halten. Sie war in ihrem Leben noch nicht dort. In diesem Augenblick kommt ein Auto um die Ecke gefahren, mit zwei älteren Männern darin, denen ich vor ca. einer halben Stunde die Straße frei gemacht hatte, da ich einfach im zu langsamen Touritempo unterwegs war. Die Frau hält sie an und wir zeigen ihnen ebenfalls die Fotos. Auch sie sind total begeistert und erzählen nun, dass ich ein sehr rücksichtsvoller Verkehrsteilnehmer wäre und es nicht selbstverständlich ist, dass man zur Seite fährt.

Da habe ich hier wohl ein wunderbares Bild für den deutschen Reisenden hier abgegeben. Als es  stärker anfängt zu regnen, wird unsere Versammlung nicht im Versammlungsraum des marae weitergeführt, sondern man wünscht sich noch einen schönen Tag und mir weiterhin eine tolle Reise. Und da ich gesagt hatte, dass ich ganz sicher mit meiner Frau noch ein zweites Mal auf die Insel kommen werde, wünschten sie auf ein baldiges Wiedersehen.

Jetzt hört es einfach nicht mehr auf mit dem Regen. Die Wolken ziehen noch mehr zu, und es wird um 17.00 Uhr schon recht dunkel. Als ich von Koriniti wieder auf die Wanganui River Road fahre, kreuzen zwei Radfahrer in die entgegengesetzte Richtung. Der Mann hat schon die komplette Regenmontur an und die Frau ist in T-Shirt und kurzer Hose unterwegs.
Ich fahre noch zur Kawana Flour Mill, einer alten Mühle, die man mit viel Mühe wieder aufgebaut. Zur Besichtigung regnet es kaum noch, aber auf dem Weg zum Auto, fängt es wieder richtig an.

Ich fahre wieder Richtung Wanganui. In Atene, an der River Road, wo morgen für mich der ca.23 Kilometer lange Skyline Track beginnt, halte ich am kostenlosen Camping, um die Nacht dort zu verbringen. Mein Handy hat mir gesagt, dass der Speicher voll ist,und ich nehme mir die Zeit und miste schon einmal alle unnötigen Fotos aus.

In dieser Zeit kommen meine beiden Radfahrer von vorher auch an. Es regnet immer noch, auch sie hat nun die komplette Regenmontur an. Nachdem sie die Fahrräder abgestellt haben, er Wasser an der Trinkwasserstelle geholt hat, beginnt sie augenblicklich die Regensachen auszuziehen. Er stellt sich in meine Richtung vor sie, und spannt ein Mikrofaserhandtuch als Sichtschutz. Ein wunderbares Zusammenspiel beginnt, das nach ihrer kompletten Toilette, die seine starten lässt.
In der Zwischenzeit hat es fast komplett aufgehört zu regnen. Ich denke bei mir, die Chance für den Zeltaufbau wäre gerade günstig. Die beiden lassen sich aber in ihrem Ablauf nicht vom Wetter beeinflussen.

Bis auch er fertig ist, hat es wieder stärker mit Regnen angefangen und die Wolken versprechen keine Besserung. Also machen sie sich, nun wieder komplett in Regensachen, an die Zubereitung des Abendessens. (Es gibt auf diesem Platz keine Überdachung! Einzig die vorhandenen Bäume geben etwas Schutz.) Als der Regen etwas nachlässt, steige ich aus und bereite alles im Wagen für die Nacht vor. Putze mir die Zähne, packe den Rucksack für den Morgen und räume noch etwas im Auto auf. In dieser Zeit sitzen die beiden da und essen genüsslich. Es sei ihnen gegönnt.

Langsam wird es wirklich dunkel. Ich befürchte schon, die beiden wollen im Freien schlafen. Sie sind noch nicht ganz mit dem Essen fertig, da kommt ein Wolkenbruch. Nicht einmal das scheint sie zu stören. Sie beenden ihr Mal, spülen ab, was bei dem Wetter sogar Vorteile bringt, und räumen ihre Sachen wieder fein säuberlich zusammen. Man sieht ganz klar, die Ausrüstung ist high tech und beide lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Ich beobachte sie die ganze Zeit gespannt. Der Wolkenbruch will einfach nicht aufhören.

Zweimal wäre Gelegenheit gewesen, das Zelt fast im Trockenen aufzustellen. Bei einem so eingespielten Team,kann das nicht lange dauern. Der Regen bleibt, es wird auch noch die halbe Nacht in der Stärke weitergehen, und die Dunkelheit kommt. Ohne auch nur den Anschein von etwas Hektik, wird nun erst der passende Platz ausgesucht. Jetzt kommt die Unterlage, in der schon das Zelt eingewickelt ist. Vorher wurden schon die Zeltstangen bereit gelegt. Jetzt wird die Plane aufgeschlagen, die Stangen eingefädelt, das Innenzelt steht. Die Außenhaut wird übers das Zelt geworfen und erst jetzt kommen Heringe zum Einsatz. Zwar dauert es noch ewig, bis die beiden endlich ins Zelt krabbeln können, (in der Zwischenzeit habe ich auch auf dem Tablet alle überflüssigen Fotos gelöscht, nicht das ich nur mit der Beobachtung der Szenerie zu tun gehabt hätte !!!), denn ihre gesamte Regenmontur wird fein säuberlich noch draußen aufgehängt, als wenn sie noch drin stecken würden. Es kommt nichts nasses mit ins Zelt. Selbst die Schuhe bekommen ihren Platz. Wie schon gesagt, die beiden sind mit high tech unterwegs, und so ist auch das Zelt, sehr klein ausgefallen. Leichtes Gepäck erleichtert einem viel, aber nicht immer alles! Die beiden sind im Zelt, erst jetzt geht ein Licht an. Keine 5 Minuten später ist es aus. Gute Nacht ihr beiden!

Als ich mitten in der Nacht aufwache, und es immer noch so regnet, muss ich sofort an die beiden denken. Irgendwann später hat es zum Glück aufgehört zu regnen.

Montag, 6. März 2017

Ein Tag auf dem Queen Charlotte Track

6.03.2017

Heute morgen, was soll ich sagen, geht es mal wieder sehr früh los! Ist aber ja auch klar, nach einem Tag wie dem gestrigen, der eigentlich nur Entspannung und Erholung ab dem Mittag war.

In diesem Abschnittes des Queen Charlotte Tracks, gibt es nur eine Stelle, die der Straße, besser dem Schotterweg, nahe kommt. Ich muß noch ca. 6 Kilometer nach Norden, zur Camp Bay. Dort angekommen, wird der schon vorbereitete Rucksack geschultert, und ab geht die Post.

Es macht Spaß, wieder unterwegs zu sein. Aber schon nach einer Stunde merke ich, dass man in dieser Richtung die beiden Tracks, Abel Tasman und Queen Charlotte, nicht laufen sollte. Die vielen Aussichten des Abel Tasman, lassen den Queen Charlotte, etwas blass dastehen. Zudem befinden wir uns hier in den Sounds, die viel tiefer eingeschnitten sind, als die Bays. So dauert es auch erheblich länger, einen neuen Sound zu erreichen und man hat nur einen unterschiedlichen Blick, auf den doch gleichen Sound.

Nach 4 Stunden stehe ich im Endevour Inlet. Hier lag das bekannte Schiff von James Cook  sehr lange vor Anker, und hat dieser Stelle den Namen gegeben. Als ich an einem großen Anleger vorbei gehe, landet gerade ein Wassertaxi. Das nächste wäre 3 Stunden weiter möglich zu nehmen.

Ich entschließe mich schnell, das Taxi zu nehmen. In nicht einmal 10 Minuten, hat es mich wieder zum Camp Bay gebracht. Daran kann man sehen, wie wenige Kilometer, der direkte Weg macht. 4 Stunden zu 10 Minuten. An der Camp Bay angekommen, geht es noch mächtig rauf auf den Sattel, wo an der Schotterpiste mein Auto steht.

Dann nehme ich noch eine kalte Dusche an dem Platz, wo ich gestern den ganzen Tag stand. Von dort sind es nur 65 Kilometer nach Picton, meinem Fährhafen, nach Wellington. Aber diese 65 Kilometer benötigen über 2 Stunden Fahrt. Man kann sich das kaum vorstellen, aber es ist einfach so.

In Picton bin ich dann um 14.00 Uhr. Bei Blue Bridge frage ich nach der nächst möglichen Fährpassage. Um 19.30 Uhr gibt es noch einen Platz für mich. Ich buche!

Danach geht es nach Picton rein. Die kleine Stadt gefällt mir. Ist aber voll mit Kreuzfahrern, die alle einen farbigen Aufkleber auf ihren Shirts tragen. Hier haben die kleinen Städte einfach etwas. Wenn es keine riesigen Gebäude gibt, dann kommt eben gleich eine gewisse Atmosphäre auf! So vergeht die Zeit auch im Handumdrehen mit bummeln, schauen, beobachten und fotografieren, informieren und essen, lernen und genießen, was das Wichtigste ist.

Abends geht es auf die Fähre, die 3,5 Stunden nach Wellington benötigt. Im Schiffskino läuft der Film über Paul Potts! Wir müssen alle stellenweise so sehr lachen. Und an anderer Stelle ist es erschreckend traurig, wie machtlos man sein kann. In Wellington sind die Straßen um diese Zeit sehr leer, was ich ausnutzen möchte und mich gleich in Richtung Norden auf den Weg mache. In der Nacht um 2.00 Uhr habe ich es tatsächlich bis Wanganui geschafft. Das war ein langer Tag.

Über Linkwater in die Welt der Marlborough Sounds

5.03.2017

Heute morgen ging es früh mal wieder weiter von Nelson. Eigentlich hatte ich gedacht, noch den ersten Teil des Queenn Charlotte Tracks zu laufen. Aber dagegen hatte ich mich entschieden, als ich mehr als doppelt so lange bis zum Ausgangspunkt benötigt hatte, als gedacht.

Queen Charlotte hat hier ihren Namen für viel hergegeben. Der große Hauptsound heißt, Queen Charlotte Sound, die Straße von Picton nach Havelock heißt Queen Charlotte Drive, und der über 70 Kilometer lange Track entlang des Sounds heißt Queen Charlotte Track.

Als ich an diesem Tag am frühen Mittag in Kanepuru Head ankomme, hier beginnt die Schotterpiste, habe ich allein vom Abzweig in Linkwater bis hierher, was 34 Kilometer sind, über eine Stunde benötigt. Motorradherz was willst DU mehr ? (Kurven ohne Ende!!!) Aber für meine Zeitplanung des heutigen Tages, war die Strecke von Nelson hierher, der Genickbruch. So lege ich einen wirklichen Lesetag ein.

Dazu komme ich einfach zu wenig auf dieser Reise, weil es mich dazu drängt, so viel wie möglich zu erwandern und zu sehen. Und das Wandern, frißt selbstverständlich die Zeit und die Energie. Denn wenn man abends dann bereit wäre Seiten zu lesen, fallen einem, auch wenn es noch früh ist, die Augen nach ein paar Seiten zu.

So stehe ich an einer wunderbaren Stelle und lasse es mir in jeglicher Hinsicht gut gehen. Als die Sonne einen immer niedrigeren Stand einnimmt und die Ebbe einsetzt, zieht es mich noch ins Watt, das hier sehr schlickig ist. Durch die Zehen drückt sich das Watt und läßt einen Gefühlswelten an den Füßen spüren, die es nur an solch einer Stelle gibt. Ich liebe das und genieße es in vollen Zügen. Und so geht ein weiterer wunderschöner Tag zu ende. So viele Tage liegen nun nicht mehr vor mir. So muss ich jeden um so mehr nutzen und in mich aufsaugen.

Sonntag, 5. März 2017

Der zweite Tag auf dem Abel Tasman Coastal Track

4.03.2017

Zum Glück wache ich heute morgen früh auf. Bei der Ruhe und in dieser Abgeschiedenheit des Startpunktes, Awaroa Carpark, ist das nicht selbstverständlich. Aber heute benötige ich einen frühen Start, da ich auf die Low Tide angewiesen bin, und die ist um 7.00 Uhr. Es geht erst einmal ca. 2 Kilometer durch das Watt. Und bei dem nächsten Niedrigwasser am Abend, soll es genau so wieder passen.

Das ist der Grund unter anderem gewesen, warum ich gestern so viele Kilometer gemacht habe. Heute gibt es keinen High Tide Weg als Alternative, falls das Wasser nicht passt. So muß ich unbedingt auch zum entsprechendem Zeitpunkt wieder da sein. Insgesamt werden das knappe 30 Kilometer mit dem Rückweg von der Bark Bay sein. Das sollte ich in 12 Stunden lässig schaffen.

Der Weg fängt also 2 Kilometer durch das Watt an. Schuhe und Strümpfe aus, und ab durch dieses Erlebnis für die Füße. Ich werde sofort an meine Kindheit auf der Insel Föhr erinnert. Dort haben meine Eltern uns Kindern das Watt so zu lieben gezeigt, dass wir heute noch sehr gerne dort Zeit verbringen.

Als die zwei Kilometer hinter mir liegen, geht es gleich richtig bergan. Aber zuerst einmal Füße säubern und trocknen und die Schuhe wieder anziehen. Aha, das ist also schon mal leicht anders als gestern. Der Weg führt die ersten 1,5 Stunden immer hoch und runter, und läßt einen schon anfangen zu schwitzen. Gut! Mich auf jeden Fall!! Denn es kommen mir, vor allem am Anfang, auch wieder Leute entgegen, die ganz sicher ihre wärmsten Sachen anhaben.

Aber alle die mir am Anfang entgegen kommen, sind flotten Schrittes unterwegs, denn sie benötigen das Niedrigwasser in der entgegen gesetzten Richtung. Mir öffnen sich derweil wieder wunderbare Ausblicke. Die Wegführung ist klasse, die Beschilderung mehr als perfekt und so kann man sich komplett auf das konzentrieren, was einem hier geboten wird. Und das ist einfach großartig.

Als ich einen langen Abschnitt über einen wunderbaren Strand gegangen bin und wieder auf den befestigten Weg muß, kommt das gleiche Prozedere wieder. Füße entsanden und trocknen und die Schuhe an, die vorher natürlich sofort runtergeflogen sind. Barfuß ist genial.

Als ich ca. eine viertel Stunde später, wieder eine begnadete Aussicht fotografieren möchte, nehme ich die Kamera und drücke ab. Dann kommt das Handy aus der Tasche und das Bild ist ein weiteres Mal im Kasten. Und nun das Tablet, ... ... ...

OOOOOOOOHHHHHHHH meinGott !!! Das muss ich beim Schuhe Anziehen liegen lassen haben. Mein Puls schlägt wie verückt im Hals und Kopf. Im gestreckten Schweinegalopp geht es retour. Oh, wie weit bin ich denn bloß schon wieder gegangen? Der Strand will einfach nicht kommen. Dann biege ich um die Ecke und sehe sofort, dass das Tablett nicht mehr da liegt, wo ich es abgelegt hatte.

"MEIN TABLET!!!!!" Schreie ich verzweifelt.

Ein junges Paar sieht mich mit großen Augen an. Ob ich was vermisse, fragen sie. Und wie mein Name ist. Völlig außer Atem, sage ich meinen Namen, und sehe dann erst, dass die nette Holländerin mein Tablet in der Hand hält. Sie hat schon auf Facebook nach meinem Namen geschaut und drückt es mir nun mit einem Lächeln in die Hand.

OOOOOHHHHHH, DANKE !!!

Die beiden machen sich auf den Weg in die Richtung, aus der ich gerade angesaust gekommen bin. Ich muß mich nun erst einmal hinsetzen und durchatmen. Transpirieren kann man das nun nicht mehr nennen. Dann geht es auch für mich weiter. An der Bark Bay treffen wir uns wieder. Dort genießt jeder dieses einmalige Wasser. Heute benötige ich die Abkühlung und Erfrischung dringender als an jedem anderen Tag zuvor.

Da ich klasse in der Zeit liege, trotz des kurzen doppelten Weges, wird die Pause etwas ausgedehnter. Baden, essen, lesen und relaxen. Tut das gut. Paradiesische Verhältnisse! Alle haben es sich an dem hellen Strand und im glasklaren, aber kaltem Wasser, gemütlich gemacht.

Danach geht es dann zurück. Und auch dieser Weg geht viel zu schnell vorbei. Auf das richtige Niedrigwasser muß ich noch etwas warten, aber dann ist der Weg frei und ruckzuck bin ich am Auto. Für mich geht es noch nach Nelson zurück, wo ich kurz nach Mitternacht eintreffe. Der aktuelle Kilometerstand zeigt an meiner Schlafstelle, 8105 Kilometer an. Gute Nacht, Hermann.